Montag, 20. Oktober 2014

Kitesurfen in Blouberg und Langebaan

Bei guten Windbedingungen wimmelt es hier von Kiteboardern
Surfbase in Blouberg

An meinen Wochenenden bin ich meistens einen Tag bei der Surfbase Endless Summer in Blouberg (einem Stadtteil "gegenueber vom Stadtzentrum" mit dem tollen 'Table View') oder in Langebaan, einem kleinen Ort an der Kueste ca. eine Stunde noerdlich von Kapstadt, Kiteboarden lernen. 
Leider ist man zu 100 % von den Windbedingungen abhaengig und die haben es mir bisher nicht ganz einfach gemacht.Oft ging der Wind off shore, also vom Strand in Richtung Meer, sodass Kiteboarden unmoeglich ist, oder der Wind war einfach zu schwach (ideal sind um die 20 Knoten).
Nach einigen Stunden zunaechst mit einem Uebungskite, dann mit dem "richtigen" Kite (Drachen) am Strand und einigen weiteren Stunden "water body dragging", (sich vom Kite ohne Board durchs Wasser ziehen lassen), konnte ich endlich in Langebaan in der wunderschoenen Lagune von Shark Bay aufs Brett und meine ersten Wasserstarts hinlegen. Vor allem das Dragging im 17 Grad kalten Wasser mit starkem Wellengang war wirklich anstrengend, aber noetig, um zu ueben, mit welchen Bewegungen der Kite einen wie stark in welche Richtung zieht. Nachdem ich nun meinen Kite aber gut unter Kontrolle habe, zeitweise ist das auch einarmig noetig, um ins Brett zu steigen oder es mittels body dragging wiederzuholen, wenn man es verloren hat, macht es auch wirklich Spass! Mittlerweile klappt es auch im tiefen Wasser meinen Kite wieder unter Kontrolle zu bringen und wieder in Richtung Kueste loszufahren. Mein tuerkischer Kiteboardlehrer Barash war das letzte Mal ganz stolz, dass ich endlich gute Strecken hingelegt habe!
wunderschoener Blick auf Kapstadt vom "Table View"

Vorbereitung des Kites

mein Kiteboardlehrer Barney



den Kite wieder auf 12 Uhr bringen, damit ich in mein Brett steigen kann


Sonntag, 12. Oktober 2014

Observatory & Groote Schuur Hospital


 Mir gefaellt es sehr in Observatory zu wohnen - nicht nur, weil ich so morgens zum Krankenhaus laufen kann und ich es nicht weit zur Lower Main Road mit vielen Bars und netten Cafes habe, sondern vor allem, weil Obz sehr bunt ist: schon in Zeiten der Apartheit war dieses Viertel eines der wenigen "grauen Bezirken", die nicht ausschliesslich von einer race (black, coloured oder white) bewohnt wurde. 
Jetzt im Fruehling bluehen ausserdem in jedem Vorgarten bunte Blumen und die Sonnenuntergaenge hinter dem mit Schaefchenwolken bedeckten Devil's Peak erstrahlen in einem wunderschoenen Pink.
 Man findet in Obz vor allem einstoeckige Haeuser mit ebenfalls bunten Fassaden, die sich durch ihren schoenen viktorianischen Baustil auszeichnen.

Observatory ist bekannt als alternatives Studentenviertel, da es in der Naehe einiger Campi der University of Cape Town liegt und mit dem Obz Square ein nagelneues Studentenwohnheim gegenueber vom Groote Schuur Hospital und der medical school beherbergt. Durch die vielen Backpackers auf und um die Lower Main Road herrscht hier ein sehr internationales Flair und wenn man abends von Bar zu Bar wandert, hoert man etliche verschiedene Sprachen und lernt Menschen von Kanada ueber Schweden bis Australien kennen.


Über das Groote Schuur Hospital (GSH) habe ich bereits in meinem letzten Kapstadt-Blog von 2011 berichtet. Bei meinem letzten Praktikum war ich allerdings auf der pädiatrischen Station (Kinderheilkunde) und hatte keinen Einblick in den OP.
Es hat sich in den letzten drei Jahren in den Kapstaedter Krankenhaeusern einiges getan, was elektronische Datenverarbeitung angeht: das GSH verfügt nun über eine Software, über die man auf den großen Bildschirmen auf jeder Station die Laborwerte und radiologischen Bilder aller Patienten aufrufen kann. Diese Software ist sogar fortschrittlicher als das ORBIS in Frankfurt, da in Kapstadt mittlerweile einige Krankenhäuser ihre Daten vernetzt haben und so auch Laborwerte und z.B. CT-Bilder sowie deren Befunde aus anderen Kliniken angeschaut werden können.
Es gibt jetzt auch eine Software, über die die Ärzt*innen Kurzberichte und verschriebene Medikamente von Patient*innen, die entlassen werden eintragen, sodass auch die Patient*innenakten immer mehr elektronisch dokumentiert werden.

Mein Alltag im GSH startet um 7:30 mit der Visite (ward round), bei der alle Patient*innen meist von den Registrars (etwa vergleichbar mit unseren Assistenzaerzt*innen) vorgstellt werden und die Consultants (Fach/Oberaerzt*innen) ihre Anweisungen an die Interns (das zweijaehrige Internship wird nach dem Examen absolviert, bevor man sich als Fachaerzt*in spezialisiert oder als "general practicioner" arbeitet) weitergeben. Die Patient*innen, die wir selbst aufgenommen haben, stellen wir selbst vor: "... is a 52 year old patient, who presented with..."
Wir auslaendischen elective Students folgen dem Stundenplan der südafrikanischen 6th year students, der neben den Visiten, ward work (meistens Blutentnahmen oder Aufnahmen) und den clinics (Ambulanz), auch viele Tutorials (Seminare - mindestens eines pro Tag, freitags den ganzen Tag) vorsieht. Diese Lehrseminare sind qualitativ wirklich gut - davon kann sich so manches Lehrkrankenhäuser in Deutschland eine Scheibe abschneiden!
Nach meinen drei Wochen auf der HPB (Hepatobilliary / Upper GI), bin ich nun in die Colorectal Surgery rotiert. Weitere Rotationen sind in der Acute Surgery Ward und in der Vascular Surgery vorgesehen. Im OP darf ich hin und wieder assistieren, manchmal ist am OP-Tisch aber neben dem Consultant, Juniorconsultant, Registrar und der OP-Schwester kein Platz mehr oder ein anderer Student / eine andere Studentin hat sich schon eingewaschen.

Die Unterschiede zum deutschen OP sind vergleichbar mit dem, was ich in Tansania erlebt habe: Es werden statt Einweg-OP-Tuecher und -OP-Kittel solche verwendet, die autoklaviert und wieder verwendet werden und auch die Sterilitaet wird nicht ganz so mega streng genommen, wie in deutschen OPs. Ansonsten ist der medizinische Standard aber durchaus vergleichbar mit Deutschland und viele OP-Techniken werden mit randomisierten Studien begruendet.



Mittwoch, 8. Oktober 2014

Workout at Sea Point with Cape Calisthenics


Da ich in Frankfurt seit über einem Jahr in Calisthenics einen Sport gefunden habe, der mir viel Spaß macht und eine Gruppe, die super motivierend und sympathisch ist (Calisthenics Frankfurt), habe ich schon vor meinem Abflug ich bei Facebook nach einer Calisthenicsgruppe in Kapstadt gesucht und bin bei den Cape Calisthenics (eine von drei Calisthenicsgruppen in CPT) fündig geworden.
Die Sportler*innen treffen sich eigentlich täglich nachmittags bis abends am Outdoor Gym am Sea Point, um teils gemeinsam, teils für sich zu trainieren und ca. einmal pro Monat gibt es ein Gruppentraining samstags. Zum Gruppentraining am Sea Point habe ich es leider noch nicht geschafft, da ich am Wochenende meistens mit Kitesurfen oder anderen Erlebnissen verplant war, aber, ich versuche so 2-3 Mal wöchentlich, wenn ich früh aus der Klinik komme, zum Sea Point Outdoor Gym zu fahren/joggen.


Bei den Flags, zahllosen Pullups und Muscle Ups kann ich natürlich nicht mithalten, aber bei den Bauch- und Beinübungen oder Halteübungen wie dem Plank, mache ich den Jungs auch hin und wieder mal Konkurrenz ;) Es macht Spaß mit Sportlern aus verschiedenen Ländern (Zambia, Kongo, Südafrika, Türkei...) zu trainieren, aber meine Gruppe aus Frankfurt fehlt mir trotzdem sehr! Auch wenn der Main nicht ganz so schön ist, wie die Meerpromenade am Sea Point ;)

Letzten Freitag habe ich an einem Calisthenics Workshop im Fitnesstudio 360 im City Center teilgenommen, wo die Trainer der Calisthenicsgruppe die Basisuebungen, wie Dips, Pullups, Pushups, Handstand und Plank gezeigt und erklaert haben. Der naechste Workshop soll dann gluecklicherweise draussen am Sea Point stattfinden; das Wetter ist auch gerade viel zu gut um drinnen zu trainieren!

Montag, 6. Oktober 2014

Kirstenbosch Botanical Garden

Der Grund, warum ich mich jetzt erst wieder zu Wort melde, ist (unter anderem), dass mein Handy an meinem dritten Wochenende in Kapstadt beim Feiern in einem Club auf der Longstreet geklaut wurde - offensichtlich passiert das dort ganz besonders haeufig... Jetzt musste ich also mein altes Blackberry wieder aktivieren und die Internetverbindung damit ist eher so mittelmaessig - ganz zu Schweigen von der Qualitaet der Fotos ;) Netterweise laesst mich mein Vermieter hin und wieder ueber seinen Laptop ins Internet, damit ich von mit hoeren und sehen lassen kann.

Eine Studentin, die ich auf meiner Station (HPB, Upper GI) im Groote Schuur Hospital kennen gelernt habe, hat uns drei German elective students zu ihrem Geburtstagspicknick in den Kirstenbosch Botanical Garden eingeladen. Wir hatten echt Glueck was das Wetter betrifft: Im strahlenden Sonnenschein, bluehten die Blumen in noch strahlenderen Farben und der Fruehling in Kapstadt zeigt sich von seiner schoensten Seite!

Das Geburtstagskind Zinhle und ich
Aussichtsplattform mit Blick ueber die Stadt
Wir haben uns ein schattiges Plaetzchen gesucht, was nicht so einfach war, da viele Kapstaetder die gleiche Idee hatten, aber schliesslich haben wir einen riesigen Kreis aus Decken um die vielen Koestlichkeiten gebildet und es uns schmecken lassen! Es gab neben selbstgemachten Kleinigkeiten, frischen Fruechten, einem Geburtstagsstaendchen auf Englisch und Xhosa auch eine leckere Geburtstagstorte und natuerlich schoene Geschenke fuer Zinhle.

Ich finde es immer super spannend mich mit Medizinstudierenden aus anderen Laendern zu unterhalten, und gerade in Suedafrika ist es aufgrund seiner Vergangenheit und zahlreichen Kulturen in einer Nation besonders interessant verschiedene Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund kennen zu lernen. Nur wenige Medizinstudierende der UCT (University of Cape Town) kommen anscheinend aus Kapstadt oder der naeheren Umgebung - die meisten, mit denen ich bisher ins Gespraech kam, stammen aus allen Ecken des Landes - von Lesotho ueber Johannesburg bis KwaZulu Natal (die Provinz um Durban) oder dem Eastern Cape.



Der Kirstenbosch Botanical Garden wurde uebrigens schon 1913 gegruendet und zeigt bis heute nur heimischen Pflanzenarten. Die Kapregion in Suedafrika beherbergt allerdings auch eine riesige Vielfalt an Pflanzen, unter anderem die King Protea, Suedafrikas Nationalblume.